Wissenschaftl. Übung: 41640 Blockveranstaltung zum KZ-Außenlager „Passau II Waldwerke“ mit Exkursion (Teil 2) - Details

Wissenschaftl. Übung: 41640 Blockveranstaltung zum KZ-Außenlager „Passau II Waldwerke“ mit Exkursion (Teil 2) - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Wissenschaftl. Übung: 41640 Blockveranstaltung zum KZ-Außenlager „Passau II Waldwerke“ mit Exkursion (Teil 2)
Untertitel Daten und Kontexte eines vergessenen Kapitels der NS-Diktatur vor Ort
Veranstaltungsnummer 41640
Semester WiSe 24/25
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 3
Heimat-Einrichtung Lehrstuhl für Computational Humanities
Veranstaltungstyp Wissenschaftl. Übung in der Kategorie Lehre (mit Prüfung)
Erster Termin Freitag, 25.10.2024 10:00 - 12:00 Uhr, Ort: (HK 16) VR 202 (U)
Art/Form
Literatur
Benz, Wolfgang; Distel, Barbara (Hgg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, 9 Bde., München 2005–2009.

Eggerer, Elmar W., „Waldwerke“ und „Oberilzmühle“. Die Passauer KZ-Außenlager und ihr Umfeld 1942-1945, in: Becker, Winfried (Hg.), Passau in der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgewählte Fallstudien, Passau 1999, S. 527-542.

Gerstmeier, Markus; Bartl, Lukas; Rehbein, Malte: Die „Waldwerke GmbH Passau“ (1942/43–1945) und ihre Belegschaft im Spiegel von Arbeitsbüchern. Historische Datenforschungen zu NS-Rüstungsindustrie und Kriegsgesellschaft in Ostbayern, in: Passauer Jahrbuch 64 (2022), S. 201–245.

NN., KZ-Außenlager Passau II, in: Mauthausen Guides. Ein Angebot des Mauthausen Komitees Österreich, URL: https://www.mauthausen-guides.at/aussenlager/kz-aussenlager-passau-ii (abgerufen am 29. Januar 2024)

Orth, Karin, Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische Organisationsgeschichte, Hamburg 1999.

Ostrowski, Alina; Hopp, Jorit; Seebröker, Benjamin; Bartl, Lukas; Gerstmeier, Markus; Brendel, Heiko; Donig, Simon; Rehbein, Malte: Arbeitsmigration in der süddeutschen NS-Kriegswirtschaft. Computergestützte Datenexploration mittels historischer Geoinformation und Netzwerkanalyse, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (GWU) 74 (2023), H. 9/10, S. 550-570.

Ostrowski, Alina; Hopp, Jorit; Seebröker, Benjamin; Bartl, Lukas; Gerstmeier, Markus; Brendel, Heiko; Donig, Simon; Rehbein, Malte, Karten und Netzwerkabbildungen zum Datensatz „Digital erschlossene NS-Arbeitsbücher aus der ,Waldwerke GmbH Passau‘“, in: Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.8297868 (Published October 12, 2023)

Ostrowski, Alina; Hopp, Jorit; Seebröker, Benjamin; Bartl, Lukas; Gerstmeier, Markus; Brendel, Heiko; Donig, Simon; Rehbein, Malte, Datensatz: Digital erschlossene NS-Arbeitsbücher (Laufzeit: 1935-1945) aus der „Waldwerke Passau GmbH“ (1942-1945) (1.0.0) [Data set]. In: Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7573559 (Published September 10, 2023)

Weinmann, Martin (Hg.), Das nationalsozialistische Lagersystem (Catalogue of Camps and prisons in Germany and German-Occupied Territories 1939–1945, CCP), 3. Aufl., Frankfurt am Main 1998.
ECTS-Punkte
5

Räume und Zeiten

(HK 16) VR 202 (U)
Freitag, 25.10.2024 10:00 - 12:00
(Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen – Archiv und Bibliothek, Standort Wien, Argentinierstraße 13, TOP 103, 1040 Wien, Österreich)
Mittwoch, 26.03.2025 13:00 - 18:00
Donnerstag, 27.03.2025 08:00 - 18:00
Freitag, 28.03.2025 08:00 - 14:00

Kommentar/Beschreibung

Die insgesamt 23 Konzentrationslager, die das nationalsozialistische Regime im Deutschen Reich und in den besetzen Gebieten in Europa errichtete, verfügten neben den jeweiligen so genannten Stammlagern über insgesamt 1.154 Außenlager (vgl. Benz; Distel). Auch in dieser Form war die menschenverachtende Tyrannei des NS-Regimes engmaschig über das ganze Land geflochten.

In der Passauer Region gab es in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkrieges drei KZ-Außenlager, allesamt ganz in der Nähe der damaligen Stadtgrenzen gelegen. Insbesondere das zum KZ Mauthausen zählende Außenlager Passau II „Waldwerke“, kann, auch wenn es lediglich von März bis Oktober 1944 existierte und einen Höchststand von 333 Häftlingen nicht überstieg (vgl. Mauthausen Guides), als nicht nur im regionalen Kontext besonders exemplarisch für den Zweck von KZ-Außenlagern im Sinne des massenhaften Einsatzes auch von KZ-Häftlingen im Rahmen der Kriegswirtschaft während des „totalen Krieges“ bezeichnet werden. (Neben KZ-Häftlingen waren auch mehr oder weniger „freiwillig“ ins Deutsche Reich gekommene „Fremdarbeiter/innen“ sowie Zwangsarbeiter/innen ein millionenfaches Arbeitskräftereservoir der deutschen Wirtschaft im Zweiten Weltkrieg.) Denn das KZ-Außenlager Passau II ist Teil der Entstehungsgeschichte des heute größten privatwirtschaftlichen Arbeitgebers im östlichen Niederbayern. Die heutige ZF Passau GmbH war nämlich 1942/43 als Zweigstelle der Zahnradfabrik (ZF) Friedrichshafen unter dem Namen „Waldwerke GmbH Passau“ in Grubweg gegründet worden und avancierte in kurzer Zeit zu einem für die NS-Kriegswirtschaft wichtigen Rüstungsbetrieb zur Produktion v. a. von Panzergetrieben.

Während die Gründungsgeschichte der „Waldwerke GmbH Passau“, die ohne den „totalen Krieg“ und die vom NS-Regime gesteuerte Arbeitskräftemigration auch und gerade von unfreiwillig Beschäftigten undenkbar gewesen wäre, seit Kurzem auf verstärktes geschichtswissenschaftliches Interesse stößt (vgl. Gerstmeier et al.; Ostrowski et al.), ist das Phänomen der drei Passauer KZ-Außenlager bis heute wenig erforscht (vgl. bis heute im Wesentlichen nur Eggerer) und in der zivilgesellschaftlichen Erinnerungskultur vor Ort praktisch nicht präsent. Dies gilt insbesondere für das in räumlicher Hinsicht unmittelbar neben dem bis heute erhaltenen großen Fabrikgebäude der ehemaligen „Waldwerke“ situiert gewesene KZ-Außenlager Passau II.

Im Rahmen zweier Wissenschaftlicher Übungen im Sommersemester 2024 und im Wintersemester 2024/25 wollen wir uns auf Grundlage der weitgehend unerforschten archivalischen Quellencorpora zur fraglichen Thematik dem KZ-Außenlager Passau II „Waldwerke“ und dessen Opfern (und Täter) widmen. Im Sommersemester 2024 soll neben einer grundsätzlichen geschichtswissenschaftlichen Einführung vor allem ein relevanter Quellenbestand aus dem Stadtarchiv Passau im Zentrum stehen, nämlich der Nachlass des Treuhänders der „Waldwerke“ während der Zeit zwischen Kriegsende und der Neugründung der ZF Passau 1953, Berthold Negele. Dieses Corpus umfasst sowohl typische Quellenarten eines Privatnachlasses als auch spezifisch wirtschafts- und sozialhistorisch sowie computerbasiert-quantitativ verwertbare serielle Quellen wie z. B. eine umfangreiche Personalkartei.

Im Wintersemester 2024/25 werden wir uns im Zuge einer Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich sowie in das Archiv und die Fachbibliothek dieser Gedenkstätte in Wien auch die dortige Überlieferung über das KZ-Außenlager Passau II „Waldwerke“ und dessen Opfern (und Täter) näher ansehen. Außerdem streben wir als zivilgesellschaftliche Transferleistung eine möglichst digitale Präsentation der in den beiden Lehrveranstaltungen gewonnenen Erkenntnisse an, um der Erinnerungskultur in Passau und darüber hinaus endlich auch die vergessenen KZ-Außenlager vor Ort zugänglich zu machen.